Marcos‘ Erfahrung in Indien, 2011

Un grupo de jóvenes posa sonriente ante un monumento de piedra rodeado de palmeras en un jardín de la India

1 BRIEF

Von einer Tastatur ohne Akzente verschickt

Grüße aus Indien!

Wir sind ziemlich in Zeitnot, also nutze ich die Gelegenheit, euch heute den ganzen Sermon hinzuwerfen, und später erzähle ich euch dann mehr Einzelheiten. Da diese Tastatur aus dem letzten Jahrhundert grottenschlecht ist, habe ich eine Ausrede für all meine Fehler.

Wir sind am Mittwochabend angekommen, und gleich bei der Ankunft haben wir am Flughafen ein Taxi im Voraus bezahlt. Als wir rausgingen, um es zu suchen, sahen wir ein Schild «prepaid taxis» und gingen hin, aber da standen nur 30 Inder, die auf Kunden warteten. Also diskutierten dreißig Typen auf Bengalisch, was sie mit uns machen sollten, und wir verstanden kein Wort, total verängstigt. Es war Nacht, aber auf den Straßen gab es etwas Licht, und die anfängliche Aufregung, in einem exotischen Land zu sein, wurde allmählich zu Betroffenheit. Es stinkt ganz fürchterlich, die Stadt ist voller Müll und es gibt keine Gebäude, die höher als 15 Meter sind. Da alle halb zusammenfallen, wohnt niemand in seinem Haus, alle leben auf der Straße, liegen herum, verteilt über die Gehwege, auf Autos, und immer von Fliegen umgeben. Es sieht aus (vor allem nachts), als wären sie alle tot.

Am nächsten Tag sind wir um 5 aufgestanden, um zur Messe um 6 ins «Mother’s House» zu gehen, das der «Sitz» der Schwestern der Nächstenliebe ist, der Ort, wo Mutter Teresa begraben liegt. Den Weg sind wir zu Fuß gegangen, ein ganzer fünfzehnminütiger Spaziergang in Stille. Ich übertreibe nicht, wenn ich euch versichere, dass es die ganze Zeit nach Scheiße riecht, nach Müll, nach Verwesung und nach dem Frittierfett von dem, was gekocht wird, und einem wird speiübel davon. Es gibt undichte Wasserstellen, an denen sie sich morgens waschen. Und alle waschen sich, kaum dass sie aufgestanden sind. Man schämte sich, da vorbeizugehen: auf der einen Seite die reichen Schnösel, die durch ihre Straße spazieren, und sie, die wie jeden Tag inmitten von Müll aufwachen. Sie hören nicht auf, uns anzustarren, vor allem wenn wir mit Mädchen unterwegs sind, und ihr Blick ist sehr einschüchternd, es ist, als würden sie innerlich schreien, aber es käme nichts mehr heraus, als hätten sie schon alles aufgegeben, denn sie werden auf der Straße geboren, leben und sterben dort. Alle Essensstände sind 2 x 2 Meter groß, eine Art Schränke, die sich an den Seiten der Gassen öffnen und in denen die Inder komisches Frittiertes verkaufen.

Nachdem die Gerüche und mehr oder weniger das, was man sieht, beschrieben sind, nun der Soundtrack: Krähen und Motorräder, mehr nicht. Die Motorräder und die Taxis, die in Spanien 2 oder 3 Personen befördern würden, transportieren hier mindestens 10 und brettern mit Vollgas. Da es kaum Polizisten und keine Verkehrsregeln gibt, gilt das Gesetz «wer die größeren Eier hat und später ausweicht», und sie reizen es so aus, dass es einem Angst macht; man kann sich nicht aus dem Fenster lehnen, sonst wird man erwischt. Die Männer laufen in Wickelröcken herum und die Frauen sind die ganze Zeit mit den Kindern beschäftigt, die meistens nackt sind. Die sind total National Geographic: schmutzig, mit teigigem Gesicht, barfuß und um Geld bettelnd. Und dann überall herrenlose Hunde, die mit krankem Blick herumstöbern.

Es ist nicht nur eine Frage der Armut, es gibt hier ein kulturelles Problem: Sie sind schmutzig und nachlässig und kümmern sich um niemanden, jeder macht sein eigenes Ding. Ständig sieht man verlassene Kinder herumlaufen, und manchmal eine Leiche auf dem Boden, und das interessiert niemanden, niemanden. Ich verspreche euch, ihr Blick ist ein Drama. Dich anlächeln tun sie nur, wenn sie Verkäufer sind, die übrige Zeit schauen sie dich mit totalem Zombiegesicht an. Das Bild ist traurig, sehr traurig. Ich bin seit 5 oder 6 Tagen hier, und man gewöhnt sich an nichts, weder an den Geruch noch an das Bild, denn es gibt immer einen Blick am Morgen, der einem schlagartig den Unsinn austreibt.

Wir schlafen in einem Haus von Jesuiten, die uns aufgenommen haben. Die Zimmer bestehen aus zwei Metallbetten mit Kissen, die sich wie Steine anfühlen, und einem Ventilator, und glaubt mir, das ist hier wie ein 5-Sterne-Hotel. Da wir in einem Gebäude sind, dringt der Geruch nicht so stark herein und man kann die Nacht überleben. Aber man schwitzt wirklich DEN ganzen Tag, eine Bruthitze. Es ist der Wahnsinn, am Ende triefen die T-Shirts.

Ich erzähle euch mehr darüber, wie es hier aussieht, wenn ich zurück bin, aber ihr könnt euch eine Vorstellung machen.

Wir sind eine Gruppe von 24, fast nur Frauen. Die Mehrheit der Gruppe sind Schüler meines Onkels, sehr nette Leute aus Valencia und Castellón. Wie gesagt, wir sind ins Mother’s House gegangen, und wir waren wie versteinert: mitten in der Stadt des Chaos, der Armut und der Krankheit haben sie ein großes, aber schlichtes Haus, sehr, sehr gepflegt. Das ist ein gemeinsames Merkmal aller Häuser der Schwestern, sie sind sehr gepflegt und ständig wird geputzt. Um 6 haben wir mit ihnen Messe gefeiert, und durch das Fenster hörte man das ganze Durcheinander aus Hupen und Krähen, aber trotzdem waren die Lieder, die sie sangen, zu hören, und sie waren großartig, sehr schön. Es überrascht, wie ihr Werk gelobt wird, und letztlich handelt es sich um eine Handvoll von 40 Schwestern, die sich die Arbeit und die Sorge um die Aufnahmehäuser teilen. Die meisten eineinhalb Meter groß und älter, aber man grüßt sie mit einem erstaunlichen Respekt.

Sie haben 5 Häuser, über die Stadt verteilt, in denen Menschen mit verschiedenen Krankheiten aufgenommen werden. Schon am ersten Tag wurde uns ein Haus zugeteilt. Mir ist mit 9 anderen ein Haus am Stadtrand zugefallen. Wir müssen jeden Tag den Zug und ein Taxi nehmen, und in 2 Stunden sind wir da. Unser Haus heißt Kirk Angola und ist für Tuberkulosekranke. Es ist ein wunderschönes Haus mit einem sehr schönen Garten. Heute zum Beispiel war ein Tag harter Arbeit. Ich musste einige Kranke waschen, die meisten skelettartig dünn und gelähmt. Es ist nicht leicht, am Anfang ekelt man sich ziemlich, ganz einfach, weil der Duschraum entsetzlich nach Scheiße riecht. Viele pinkeln und machen auf den Boden, weil sie nicht stehen können, und man muss es sauber machen. Und dann muss man sie nass machen, mit Seife abreiben, abtrocknen, anziehen, Rollstuhl und ab in den Garten.

Als sie mich zum Waschen hineingesteckt haben, blieb mir die Luft weg, aber ein Nepalese hat mit uns gearbeitet und uns gezeigt, wie man es macht, und wir waren sprachlos. Er behandelte sie auf eine beeindruckende Weise. Man sah, wie sehr er sie liebte. Er reinigte ihnen sogar die Wunden. Danach haben wir mit ihm gesprochen und waren baff. Mutter Teresa hatte ihn aufgenommen. Er war gelähmt, und nach und nach ist er geheilt und hat die Bewegung wiedererlangt. Wir haben ihn gefragt: «Warum bist du fähig, das zu tun? Warum tust du es?», und der Typ sagt uns: «Weil man es bei mir getan hat.» Es ist etwas ungeheuer Neues, was die Aufnahme durch die Schwestern bedeutet; sie fangen erst an, sich mit anderen Augen zu sehen, wenn sie in eines dieser Häuser kommen und geliebt werden. Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass die Schwestern in dieser Stadt eine Welt für sich sind. Die Schönheit, die wir sehen müssen, um im Alltag nicht zu verzweifeln, ist in den Aufnahmehäusern der Schwestern. Dort ist der Blick ein anderer, ein Blick voller Zärtlichkeit, Fürsorge und Freude. Drinnen grüßen dich alle mit einem «jiesu pronom» oder so ähnlich, was ungefähr «Hallo in Christus» heißt. Die, die schon länger im Haus sind, sind anders, sie sprechen von Mutter Teresa mit einer riesigen Freude und kümmern sich ganz um die anderen. Ich habe mit ihnen gekocht, und sie sind einfach klasse. Sie haben mir etwas von den Schweinen gesagt (sie haben ein paar im Haus), und ich befürchte, es geht darum, eines zu schlachten, hoffentlich ziehen sie mich da nicht mit rein. Da ich bei den Männern bin, sehe ich die Schwestern wenig, aber es sind die «Patienten» selbst, die sich umeinander kümmern. Ich weiß, ich wiederhole mich, aber wenn man sieht, wie unnütz und langsam wir sind, lohnt es sich mehr, darauf zu achten, wie sie arbeiten und für die anderen sorgen. Der Kontrast dazu, wie sie dich außerhalb der Häuser anschauen, macht den Blick der Leute drinnen noch stärker. Das, was bewirkt, dass sie dich lieben.

Da wir so viel Zeit zusammen verbringen, freunden wir uns in der Zehnergruppe sehr an; dabei sind mein Onkel, die Miras, Alex, Marta, Javi García, Carlos und drei aus Valencia. Gestern haben wir uns ausgeruht und es war ein Erlebnis: Yago bestand darauf, dass Alex und die Miras den anderen ihre Geschichte erzählen, und am Ende haben wir fast 4 Stunden lang geredet, in der einzigen Bar mit Bier und Klimaanlage in Kalkutta, und uns erzählt, wie jeder seinen Glauben lebt. Carlos und diese 3 Mädchen hängen sehr mit uns zusammen, und wir haben eine Riesenfreude und diskutieren viel.

Ihr werdet aus dem Staunen nicht herauskommen bei allem, was Alex hier so passiert, es ist zum Totlachen, was für ein Typ.

Nachmittags beten wir mit ihnen und ruhen uns ein bisschen aus. Das Gebet wird hier grundlegend. Trotzdem fällt mir das Gebet schwer. Mir fehlen die Worte, wenn ich die Kapelle des «Mother’s House» betrete. In mir ist ein riesiges Durcheinander. Ich nutze die Gelegenheit, jeden Abend mit meinem Onkel darüber zu sprechen, wie es uns geht, und um Klarheit über den Tag zu bekommen. Denn ich sage euch wirklich, nicht einmal Wunder zu sehen ist für mich «genug»; mir fehlt es, mir bewusster zu sein, dass Gott mich liebt, ganz einfach, ich hoffe, man versteht mich. Ich merke es daran, wie ich nachmittags bin: ungeduldig, nörgelig und ernst; ich entdecke, dass ich genauso bedürftig nach der Liebe bin, die bei den Schwestern geschieht, wie die Leute in den Häusern oder auf der Straße. Vielleicht werden gerade deshalb die Gespräche mit meinem Onkel so stark. Es ist interessant zu sehen, dass die einzige Weise, mich von meinem «Grübeln» und meinen Sorgen auszuruhen, darin besteht, mich mit meinem Onkel auseinanderzusetzen. Es wird mir notwendig, dass er jeden Tag annimmt, wie es mir geht, und er tut es.

Ich könnte euch noch tausendundeine Sache erzählen, aber das ist das Erste, was mir in einem Internetcafé von 10 Quadratmetern einfällt, mit einem hässlichen Inder, der schlecht riecht, direkt links neben mir klebend. Betet viel für mich, damit mir das hilft, wenigstens ein bisschen im Glauben zu wachsen, denn sonst hat sich die Reise nicht gelohnt. Eine Umarmung an alle!

Wir haben einige kennengelernt und mit ihnen gesprochen: John, Winsten, Niami, Milan, Mjumbanem …

2. BRIEF
> Grüße aus Indien!
> Vielen Dank an alle, die mir geantwortet haben, ich habe nicht viel Zeit, also schicke ich euch schon den nächsten Schwall.
> Nach dem, was ich euch erzählt habe, waren wir noch ein paar Tage im Haus für Tuberkulosekranke, wir haben einen von „den Kindern von Mutter Teresa“ kennengelernt. Das sind alles Waisen, die Mutter Teresa aufgenommen hat; er ist jetzt 38 und arbeitet im Haus für Tuberkulosekranke. Er hört nicht auf zu reden, er redet ununterbrochen über die Bibel, er weiß mehr als wir alle zusammen. Er spricht von „seiner Mutter“ und erzählt uns alles Mögliche, was sie ihm gesagt hat, wie sie ihn erzogen hat, wie sie eine Schule für ihn gesucht hat. Ich erzähle es euch noch genauer, denn da ist nichts überflüssig. Aber der eigentliche Hammer ist etwas anderes.
> Eine Schwester aus dem Mother House kam am nächsten Tag auf uns zu, um sieben von uns etwas vorzuschlagen: in eine Leprastation zu gehen, die außerhalb von Kalkutta liegt, fünf Stunden mit dem Bus, um dort als Freiwillige zu arbeiten, natürlich auch dort zu schlafen und zu essen. Was für ein Tag, als sie uns das sagte, alle machten sich fast in die Hose, als es darum ging zu entscheiden, wer mitgeht. Einer nach dem anderen fiel um wie die Fliegen. Am Ende sind Alex, Silvia, drei aus Valencia, Greta und ich gefahren. Ich habe in dieser Nacht nicht geschlafen, ich stellte mir die ganze Sache wie in einem Horrorfilm vor, mit „herabhängender Haut und so“. Und alles, was man uns erzählte, machte es nur noch schlimmer: dass es mehr oder weniger in den Bergen liege, wo es viele Spinnen und Schlangen gebe … dass ständig der Strom ausfalle und man mit Kerzen herumlaufen müsse … Kurzum, Alex und ich stellten uns schon die Nächte dort vor, mit Zombies, die über das Gelände spazieren. Man sagte uns auch, es sei ein riesiges Anwesen, sehr schön, und dass es dort eine spanische Schwester gebe! Also haben wir uns Mut gemacht.
> Um 4 Uhr morgens auf den Beinen, um den Bus zu nehmen, und los. Eine total nervige Fahrt, aber gut, je näher wir kamen, desto weniger Hitze und Feuchtigkeit und endlich auch weniger Lärm. Wir kamen gegen 10 Uhr morgens an, und eine sehr nette philippinische Novizin erwartete uns mit einem Krankenwagen, um uns abzuholen. Der Ort heißt Assansol, aber das Haus ist eine Autostunde entfernt. Sie beruhigte uns schon unterwegs: „Die Leprakranken sind nicht so wie in den Filmen.“ Und nichts, wir fuhren bei einer Schule in der Nähe vorbei, um die spanische Schwester abzuholen, die mit zwei Kindern aus dem Haus, „ehemaligen Leprakranken“, dort war und versuchte, ein Gespräch in der Schule zu bekommen, um sie dort unterzubringen. Sie und die beiden Kinder stiegen in den Krankenwagen, und nichts, eine Stunde lang haben wir mit ihr geredet. Eine Heilige, einfach so.
> Sie heißt Sister Maria, später haben wir herausgefunden, dass sie „Lola“ heißt. Von dem Moment an, als wir in den Krankenwagen stiegen, bis wir das Haus wieder verließen, haben wir sie nur mit einem Lächeln von einem Ohr zum anderen gesehen. Ihr Empfang im Haus war überwältigend, sie war immer um uns besorgt. Kaum war sie eingestiegen, fing sie an, uns vom Zentrum zu erzählen; ich erzähle es euch. Es ist ein riesiges Anwesen, vielleicht 1 km² groß, es gibt 8 Wohnblocks für Leprakranke, 4 für Männer und 4 für Frauen, dann ein Haus für Kinder und eines, um Leuten aus dem Dorf Unterricht zu geben; sie sind ziemlich autark, mit Hühnern, Reisfeldern, Kühen … Dann gibt es noch das Haus der Schwestern mit der Küche, der Kapelle und so weiter. Sofort fing sie an, uns die Geschichte der Jungs zu erzählen, die in den Krankenwagen gestiegen waren, furchtbare Dinge. Der erste heißt Bisu, von seinem Vater verlassen, einem Alkoholiker, der ihn beschuldigte, seine kleine Schwester getötet zu haben (sein Vater), und ihn schlug; dann Santu, von dem sie nur sagte, er sei ein verlassener Leprakranker. Diese beiden Jungs waren vielleicht seit 12 Jahren im Haus und seit 3 Jahren bei Lola. Dann erzählte sie uns von Gudu, und diese Geschichte ist einfach zu viel: wieder ein alkoholkranker Vater, im Dschungel ausgesetzt und zum Sklaven gemacht (!!!), später Lepra, und jetzt ist er geheilt und arbeitet in der Leprastation für die Schwester. Sie erzählte uns, dass sie versuche, die beiden Jungs in der Schule unterzubringen und Strom für Gudus Haus zu bekommen, der jetzt verheiratet ist und 4 Töchter hat.
> Na gut, wir wurden schon ruhiger, sofort fingen wir an, ihr zu erzählen, was wir studieren und so, und nichts, wir kamen an. Wir gingen zum Hauptblock, die Männer und Frauen waren mitten im Rosenkranz, den sie jeden Mittwochnachmittag beten, und sie übersetzte uns die Anliegen, die die Leprakranken aussprachen. Das erste Anliegen, genau als wir ankamen: für die Freiwilligen und ihre Familien, dass sie glücklich seien. Alex und ich sahen uns schon völlig fassungslos an. Von da an war es der Wahnsinn, alles war Lächeln, alles. Das Essen großartig, wir haben großartig geschlafen, sie haben sich mehr um uns gekümmert, als wir es für sie tun konnten, es war schon peinlich.
> Der Alltag bestand darin, um 6 Uhr aufzustehen für Messe und Gebet, Frühstück, und um 8 an die Arbeit. Wir hatten zwei Möglichkeiten: Verbände (den Leprakranken die Wunden reinigen …) und Putzen. Ich habe keinen Magen dafür, also Putzen. Alex und eine aus Valencia haben sich gemeldet, und wir fingen an, mit Bisu, Gudu und Santu zu arbeiten. Die Arbeit war ermüdend und hart, aber es war eine Gnade. Es haut mich immer wieder um, was für eine große Geste der Liebe es ist, für die Kranken zu putzen. Ich habe es gemerkt, weil diese drei, von denen ich euch erzähle, mich alle 2 Minuten korrigiert haben, wie man die Dinge zu tun hat, ihnen mehr Zeit zu widmen, das Laken richtig hinzulegen … Kurzum, es war großartig, mit ihnen zu arbeiten. Das sind Leute, die ganz anders sind als das, was man hier so sieht, ganz anders; sie schauen ständig zu Lola wie zu einer Mutter, und so ist es auch, sie liebt sie unheimlich. Kurzum, ich habe also 5 Tage lang Spinnweben entfernt und Laken gewechselt, und vor allem diese Typen zu sehen, war ein Geschenk. Je länger ich arbeite, obwohl es nicht so ist, wie ich es erwartet hatte (ich hatte mir vorgestellt, Leute von der Straße aufzulesen), desto lieber tue ich es, immer mehr im Bewusstsein, wie „dumm“, aber zugleich großartig es ist, die Dinge schön zu hinterlassen, etwas Bleibendes in den Häusern der Schwestern.
> Die Beziehung zu diesen Typen war der Wahnsinn, den ganzen Tag schallendes Gelächter, und manchmal (soweit wir uns verstanden) ernste Gespräche. Alex ist von diesen Tagen sehr erschüttert zurückgekommen und hat beim letzten „Treffen“ sehr gut beschrieben, was mit diesen drei Indern passiert ist: „Es ist merkwürdig: in ganz verschiedenen Ländern geboren, ganz verschiedene Geschichten, Charaktere, Sprachen, alles verschieden, aber das Einzige, was die Beziehung zwischen uns möglich macht, und das Einzige, was ihnen und uns im Leben genügt hat, war die Begegnung mit jemandem, der uns liebt“, bei ihnen die Begegnung mit dieser Schwester. Ich erzähle euch mehr von ihnen, wenn ich zurückkomme, aber gut, großartige Typen.
> Die Leprakranken sind nicht so, wie wir dachten; nun ja, im Haus waren Finger und Hände Mangelware, die Lepra greift die peripheren Nerven an und macht sie unempfindlich (eeeeei), was tiefe Wunden verursacht, die am Ende Hände und Füße zerstören, also fehlten fast allen die Hände; die schwersten Fälle hatten ein Gesicht wie eine Landkarte, aber das waren wenige. Nachmittags haben wir mit ihnen gesungen, Lieder auf Spanisch und Hindi oder Bengali ausgetauscht, und alle spielen Perkussionsinstrumente, Tamburine, Trommeln und so weiter, es war fast komisch, aber der Wahnsinn. Die Schwester erzählt uns, dass sich nicht so viele taufen lassen, aber auf dem Sterbebett fast alle. Das war das Erste, was mich an der Schwester überrascht hat: Sie liebte sie alle gleich; Santu hat sich taufen lassen, Bisu nicht, und wie ihre eigenen Kinder, sie hatte für keinen eine Vorliebe. Etwas anderes, was sie uns erzählte, war, dass die Blocks der „weniger schweren“ Fälle wöchentlich erneuert werden müssen, was bedeutet, dass man Leute wegschicken muss, und das ist offenbar ein Drama. Mich hat überrascht, dass sie alle Kranken kannte, wo es doch scheinbar einfacher wäre, keine Beziehung zu ihnen aufzubauen, um nicht an dem Tag zu leiden, an dem man sie wegschicken muss, aber diese Schwester hat vor nichts Angst.
> Ich erzähle euch mehr von ihr, denn da ist nichts überflüssig: Sie ist aus Madrid, hat in Salamanca studiert und war eine Partylöwin sondergleichen: „Was für eine Veränderung, jetzt stehe ich zu der Zeit auf, zu der ich früher ins Bett gegangen bin“, sagte sie uns. Sie hat sich auf dem Jakobsweg bekehrt, hatte unzählige Freunde und ist Ärztin. Sie wurde ganz überraschend dorthin geschickt. Sie hört nicht auf zu lachen und fragt dich tausend und eine Sache über dein Leben. Die beste Schwester von allen, und sie ist Spanierin, natürlich. Das Beste an ihr ist, dass sie eine absolut menschliche Schwester war, menschlicher sogar als wir. Bei den anderen Schwestern hat man den Eindruck, sie seien ihr ganzes Leben lang „fade“ gewesen und für dieses Leben bestimmt, aber sie durchbricht alle Schemata. Zwei banale Dinge, weshalb ich sage, dass sie menschlich ist: einmal, weil sie sich mit ein wenig Wehmut an „die Bierchen am Nachmittag“ in Madrid erinnerte, und zum anderen, weil sie uns erzählte, dass einmal ein französischer Arzt als Freiwilliger da war, den sie sehr attraktiv fand, und sie erzählte uns, wie sie zu Gott sagte: „Herr, ich weiß nicht, warum du mir den hierher stellst, ich werde es schon noch herausfinden, aber ich habe mich in Dich verliebt.“
> Und hier das Beste an ihr: Sie sprach ständig von „meinem Mann“, und am Anfang haben wir es nicht verstanden, und nach und nach haben wir entdeckt, dass sie von Jesus sprach. Es war der Wahnsinn, als säße die ganze Zeit ein Typ neben ihr; jedes Mal, wenn sie uns eine Anekdote aus der Leprastation oder aus ihrem Leben erzählte, unterbrach sie die Erzählung mit dem Dialog, den sie mit ihrem Mann führte. Und sie sagte uns: „Ich bin eine Frau, die anfassen muss, und das verlange ich immer von meinem Mann: Herr, entweder du bist konkret und greifbar, oder ich sehe dich nicht.“ Es war der Wahnsinn; wenn sie uns abends in unserer Bruchbude besuchte, füllte sie das ganze Zimmer, wir löcherten sie mit Fragen (Deine Geschichte? Warum diese so enge Beziehung zu Gott? Christus in den Kranken sehen? Wie geht das?). Was für eine enge Beziehung zu Gott, ein ständiger Dialog. Wie beneidenswert, seit 5 Tagen bitte ich darum, diesen Dialog zu haben. Gott war in ihrem Leben nichts Erfundenes, er war Alles, vor allem ihre Kranken. Sie ist einer dieser Menschen, die dich sprachlos machen. Eine Heilige. Ich habe oft an das Abendessen bei Luis zu Hause mit Tim Guenard gedacht; mich überkam bei diesem Abendessen derselbe Gedanke wie damals, als wir bei der Schwester waren: WAS FÜR EIN HEILIGER! Wie anziehend ist ein Mensch, der Jesus Christus so nahe ist!
> Für mich waren diese Tage großartig; abends habe ich mit Alex besprochen, wie der Tag war, und wir haben das Evangelium gelesen, und mit ihm darüber nachzudenken, was tagsüber alles passiert war, hat unsere Beziehung in diesen Tagen vorangebracht und sie mit Bitten erfüllt. Und dann diese Schwester zu sehen und vor allem „ihre Kinder“, die Wunder auf zwei Beinen waren, hat mich sehen lassen, wie mächtig Gott ist; er kennt keine Grenzen, er kann ALLES. Er braucht nur Menschen, um in diese Welt zu kommen, und bei dieser Schwester ist das offensichtlich.
> Als Anekdote: Ich habe Reis geerntet, und das Beste: Ich habe entdeckt, dass sie im Nachbardorf Fußball spielen, und ich wollte schon immer umgeben von kleinen Schwarzen spielen, so wie „Thierry Henry“ in einer Pepsi-Werbung; nun, genau so war es, der Held des Dorfes, der Tore schießt; meine Füße sind völlig kaputt, weil sie auf Steinen und barfuß spielen, aber es hat sich gelohnt, hahaha.
> Ich habe viel Zeit zum Beten, ich bete für die Schule von Luis, für Sucas Arbeit und tausend andere Dinge, aber schickt mir ruhig Anliegen, dann bete ich für euch. Eine feste Umarmung an alle.

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