Predigt von P. Yago Gallo, dem Onkel von Marcos
Einige wenige Privilegierte – weil er es so entschieden hatte –, ein paar Wenige (ich weiß nicht, wie viele, ich nehme an, wir waren zwei oder drei), wussten schon seit Längerem (sogar seit Jahren), dass Marcos uns überraschen würde (wenn auch nur halb überraschen, denn wo immer er hinkam, fragte man ihn, ob er Seminarist sei). Aber wir wussten, dass Marcos nach Abschluss seines Physikstudiums mit der Nachricht überraschen würde, dass er in das Priesterseminar der Diözese Barcelona eintritt.
Und so war es. Sein Traum, diesen Tag zu erleben, ging in Erfüllung. Dieser kostbare Tag, an dem er allen mitteilen konnte, warum er so lebte, wie er lebte. Und endlich lüftete er das Geheimnis.
„Und was machst du jetzt, wo du dein Studium beendest?“ – und er brachte den einen wie den anderen mit ausweichenden Antworten von der Spur ab.
Die Nachricht lautete: „Ich will Priester werden.“ „Ich will ins Seminar eintreten.“ Und seht: Es war wunderbar, Marcos in diesen Wochen begleiten zu dürfen. Zu sehen, wie sich dieser Traum erfüllte, den er so sehr gehütet, so sehr gehegt, so sehr behütet hatte; den er so absolut liebte. Und er schloss sich den Priestern an und schaute auf die Priester. Aber er wollte Priester werden, nicht wegen des priesterlichen Tuns, sondern wegen des Antlitzes Jesu Christi.
Er hat es uns in diesen Wochen erklärt – obwohl wir es daran gesehen haben, wie er diese letzten Jahre seines Lebens gelebt hat –; er hat es uns erklärt, ja er hat es uns fast gezeigt, besser gesagt: wie für ihn, in seiner Erfahrung, Jesus Christus etwas so absolut Wirkliches war, etwas so Konkretes, so Erfahrbares; wie der heilige Johannes sagt: „was meine Augen gesehen, was meine Ohren gehört und was ich mit den Händen berühren konnte“. Christus war so schön und so gegenwärtig, dass Marcos es wagte, Ihm Ja zu sagen. Ihm Ja zu sagen für immer.
Und er setzte seine menschlichen Lieben aufs Spiel, er setzte seinen guten Ruf aufs Spiel; er setzte alles aufs Spiel.
„Ich werde Priester.“
In diesem geschichtlichen Augenblick.
„Ich werde Priester.“
Es ist, als ob er uns sagen würde (seht, und ihr versteht mich): „Es stimmt nicht, dass zweitausend Jahre vergangen sind. Christus lebt. Christus lebt. Christus – wie wir es jeden Tag im Angelus beten – wohnt unter uns.“
Und der Priester – das ist keineswegs eine theologische Beschreibung –, aber der Priester ist derjenige, der an der Hand Jesu Christi, denn diese Weise zu sein, dieses Gehen unter den Menschen hat Jesus Christus so erfunden; er ist derjenige, der die Arme ausstreckt, die Arme weit ausstreckt; die Arme so weit ausstreckt, wie er nur kann, und mit dem einen Arm, mit der einen Hand Gott ergreift und mit der anderen Hand den Menschen ergreift und sie – den Menschen und Gott – zur Gemeinschaft führt.
Der Priester ist derjenige, der trotz seiner menschlichen Erbärmlichkeit und durch die Gnade unseres Herrn Jesus Christus erreicht, dass der Mensch und Gott einander begegnen. Und seht: Marcos hat das Weihesakrament nicht empfangen. Unser Herr hat es nicht gebraucht. Aber Marcos war bereits Priester. Marcos – sein ganzes Tun, sein ganzer Weg, sein ganzes Sprechen war priesterlich.
Die meisten von euch, die hier sind, kannten ihn. Ihr hattet mit ihm zu tun.
Und es war unmöglich. Es war absolut unmöglich, länger als eine halbe Stunde mit Marcos zusammen zu sein, ohne dass man am Ende über Jesus Christus sprach.
Es war unmöglich, seine Reisen ein wenig zu verfolgen, die Art, wie er seine Zeit verwendete; es war unmöglich zu sehen, wie er lächelte, wie er scherzte, wie er neckte (besonders Mateo und Juan – seine kleinen Brüder –), ohne zu entdecken, dass da etwas Großes war. Es war unmöglich, mit Marcos zusammen zu sein und nicht den Kopf zu wenden, um den gegenwärtig zu erhaschen, der Marcos so machte.
Und Marcos sagte Ja: Marcos sagte dem Herrn Ja. Und er sagte wirklich Ja. Er sagte wirklich Ja!
Marcos – gewöhnen wir uns nicht daran – sagte Gott Ja. Und Gott, mit jenem seinem Plan, der uns – Gott sei Dank! – übersteigt, der Gott sei Dank unseren übersteigt; Gott nahm sein Ja an. Und weil es ein uneigennütziges Ja war, ohne Bedingungen, hat Gott mit dem Ja von Marcos getan, was Ihm gefiel.
Denn Marcos gab Gott sein Ja. Er gehörte Gott. Und Gott sagte: Damit mache ich, was ich will.
Und wir schauen auf den Herrn und sagen Ihm: „Mensch, Herr, es scheint, du hast Priester im Überfluss. Denn wir sind so wenige, und dieser war es wert, und du nimmst ihn uns weg.“
Und der Herr sagt uns: „Weil ich euch auf andere Weise segnen werde; weil ich mich auf andere Weise um die Diözese Barcelona und um die Kirche kümmern werde.“ „Weil ich es auch selbst tun kann.“
Denn Marcos kann es vom Himmel aus tun. Denn Marcos kann uns vom Himmel aus begleiten. Marcos, an der Hand unseres Herrn, der auferstandene Marcos, kann es tun.
Gestern Abend, als ich schon im Bett lag, nach diesem so kostbaren Tag, dachte ich an Folgendes: Es ist ja wahr, Mensch! Es ist ja wahr, dass Christus und Marcos einander liebten; dass sie einander lieben! Es ist wahr! Und ich dachte: Werde ich mich in diese Beziehung einmischen? Werde ich darüber urteilen, „wie Christus und Marcos einander lieben“, „wie Marcos und Christus einander lieben“? Werde ich meinen, es hätte anders sein müssen? Werde ich es wagen, Marcos zu sagen: So liebt man den Herrn nicht, denn schau, was er dir antut?
Werde ich es wagen, dem Herrn angesichts des Ja meines Neffen zu sagen: „Das ist nicht gerecht“? Werde ich das wagen?
Seht – das ist mir gestern gegenwärtig gewesen, denn gestern und heute waren ein wunderbarer Tag –: Gott hat uns ausgetrickst! Gott hat uns ausgetrickst! Aber nicht mit dem Tod von Marcos: Er hat uns ausgetrickst mit dem Leben von Marcos! Denn er hat ihn uns geschenkt! Er hat ihn uns vor Augen gestellt, und wir haben uns verliebt! Und wenn man Marcos anschaute – und er war normal, nicht wahr, Marcos war normal –; wenn man Marcos anschaute (es sei denn, man war sehr ungeschickt oder sehr blind); wenn man Marcos anschaute, sagte man sich: „Es ist offensichtlich, dass da jemand ist, der diesen Kerl macht.“ Es ist offensichtlich, dass da einer ist, der Marcos so anziehend macht. Es ist offensichtlich! Im Gesicht, in der Geste, in der Stimme, in der Umarmung von Marcos. Es ist offensichtlich! Und darin hat Gott uns ausgetrickst: denn wenn man meinen Neffen anschaute, wenn man Marcos anschaute, wanderten die Augen zum Himmel! Und ich dachte gestern: Wie soll ich mit dem zornig sein, der mich so ausgetrickst hat? Wie soll ich mit dem zornig sein, der mir Marcos geschenkt hat – seht –, und zwar umsonst? Denn er hat ihn uns „umsonst“ geschenkt!
Hat irgendjemand einen Preis dafür bezahlt, Marcos’ Freund sein zu dürfen? Hat irgendjemand einen Preis bezahlt? Es ist doch umsonst! Man hat ihn uns umsonst geschenkt. Und man hat ihn uns nicht entrissen. Man hat ihn uns umsonst geschenkt, und man schenkt ihn uns weiterhin umsonst.
Ich sage es immer, denn so ist es: Gott gibt nicht, um dann wieder zu nehmen. Gott gibt, um zu geben. Und Marcos hat er uns gegeben. Und er hat ihn uns für immer gegeben. Jetzt gewiss, wie wir in der Liturgie gehört haben, auf eine andere Weise, aber für immer.
In diesen Tagen danke ich Marcos unendlich, mit seinem Leben und mit seinem Tod, und ich danke unserem Herrn unendlich, dass er mir auf eine Weise, die ich verstehen konnte – und mögen wir es alle verstehen –, jenen Satz gezeigt hat, an dem wir in diesen Monaten in der Schule der Gemeinschaft gearbeitet haben: „Das Leben ist kein Tun: das Leben ist eine Zuneigung.“ Und die Zuneigung erfüllt sich in Marcos. Marcos liebte den Herrn. Marcos liebt den Herrn.
Seht: Wir können weiter so leben. Wir können weiter in der Zuneigung leben. Ich weiß nicht, wie viele Hunderte von Umarmungen wir in diesen Tagen empfangen, aber sie sind alle wirklich. Sie sind alle echt. Alle echt. Es sind Umarmungen, die von oben kommen.
Legen wir Marcos in die Hände der Gottesmutter, damit sie ihn bis zu seinem Haus begleitet. Bis zu seinem neuen Haus, wo wir ihn an dem Tag wiederfinden werden, an dem auch wir gerufen werden. So sei es.
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